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Letzter Fischereieinsatz im Rahmen des Riffprojektes

Der schlechte Zustand der Ostsee insbesondere der Fischbestände wird in den öffentlichen Medien umfassend beschrieben und dargestellt, so im Beitrag „Schöne, tote Ostsee: Das Dorschsterben und die Folgen“ am 20.06.2022 ∙ 45 Min ∙ NDR. Das können wir, die Mitarbeiter im Riffprojekt, nicht so kommentarlos im Raum stehen lassen. Ganz aktuell haben wir am 22. und 23.08.2022 die fischereiliche Beprobung des Riff NIENHAGEN durchgeführt, übrigens die letzte in diesem zum 31.10.2022 auslaufenden Projekt – und wir standen im Fisch, wie man in der Fischerei so schön sagt.
Im Fischereischutzgebiet Nienhagen auf einer Fläche von ca. 1200 mal 1200 m haben wir mit neun Fischfallen 99 Dorsche ab der Altersgruppe 1, also ab ca. 25 cm, bis zur Altersgruppe 6 mit dem größten Vertreter von 64 cm Länge gefangen. Von diesen 99 Tieren hatten 35 Stück eine wirtschaftlich verwertbare Größe. Parallel zum Einsatz der Fischfallen, mit denen wir schon im Jahr 2015 anhand der Untersuchungen an 100 Dorschen mit implantierten Transpondern das Migrationsverhalten aber auch die Standorttreue des Dorsches nachgewiesen haben, kommen quartalsmäßig Stellnetze, die so genannten Multimaschennetze, zur Erfassung aller Arten und Altersgruppen zum Einsatz. Dabei konnte auch bei dieser Beprobung wieder bestätig werden, dass die Altersgruppe 0 gehäuft an den Riffstrukturen vorkommt. Diese noch nicht einjährigen Dorsche, hier vertreten mit dem Kleinsten einem 6 cm großen Exemplar, nutzen das Riff als Schutzraum mit einem reichhaltigen Nahrungsangebot. Sie sind am Riff doppelt bis dreifach so stark vertreten als in Referenzgebieten. Von denen gibt es zwei, die in einem Abstand von ca. 1 Seemeile westlich und östlich vom Riff liegen. In den letzten Monaten konnten wir nachweisen, wann und in welcher Größenordnung die Jungdorsche vom Riff in die nähere Umgebung abwandern, um dann eine gewisse Standorttreu zu entwickeln. Bei den von 2016 bis 2018 laufenden Untersuchungen zur Wirkfläche des Riffs NIENHAGEN wurde mit markierten Dorschen gearbeitet. Dabei kamen 22 Fischfallen zwischen Kühlungsborn und Dierhagen mit einem Abstand von jeweils 1 Seemeile zum Einsatz. Anhand der absoluten Dorschfänge konnte die Wirkfläche auf 3,5 km in westlicher und östlicher Ausdehnung beziffert werden. Von 8081 in den Fischfallen gefangenen Dorschen wurden 6661 Dorsche markierte, von denen 358 Stück wiedergefangen wurden. Das entspricht einer Wiederfangrate von 5,37 %. Von den Wiederfängen wurden 323 Stück in der Falle, wo auch die Markierung erfolgte, gefangen. Das entspricht einer Wiederfangrate von 90 %. Die größte Zeitspange zwischen Markierung und Wiederfang betrug 406 Tage. Selbst auf engstem Raum, wie oben angemerkt im Fischereischutzgebiet Nienhagen mit 9 Fallen und Abständen zwischen den Fallen von ca. 600 m, wurden im Versuchszeitraum 2021 und 2022 95 % in der Falle gefangen, an der sie auch markiert wurden. Bis zu vier Mal wurden Einzelexemplare gefangen und sind zusätzlicher Beweis für die Standorttreue der Dorsche ab der Jahrgangsgruppe 1. Wir arbeiten seit 20 Jahren an diesem Projekt und weisen seit geraumer Zeit auf die Nützlichkeit des Einbaus von Hartsubstrat in Form von Riffen für das Ökosystem OSTSEE hin. Mit diesen speziellen Ergebnissen hinsichtlich des Dorsches ist der Wissenschaft und Politik die Möglichkeit gegeben, eine aktive Managementmaßnahme (nicht nur Verbote und Quoten) zur Verbesserung des Lebensraumes im Umgang mit den Dorschbeständen in der Ostsee insbesondere der lokalen Küstengewässer zu nutzen.
Wenn einer damit ein Problem hat, dass ein gelernter Fischfangtechniker als Projektkoordinator diese Ergebnisse und Empfehlungen zusammentragen konnte, dem versichere ich, dass ich zum größten Teil von einem kompetenten Fachpersonal umgeben war. Ich möchte mich hiermit bei all meinen Kollegen für die Unterstützung und die konstruktive Zusammenarbeit bedanken, da ich mich mit dem Projektende auch aus dem beruflichen Leben verabschiede und in den Rentenstatus überwechsle.

News vom 26.08.2022 I geschrieben von Thomas Mohr

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